Deutschland sucht Gründer

Die Gründerszene in Deutschland schwächelt wieder mal, deshalb braucht unser Land dringend mehr Gründer. Nach dem KfW-Gründungsmonitor stieg 2014 die Anzahl der Existenzgründungen zwar noch auf 915.000. Das war ein Plus von 47.000. Dieser Anstieg kam vor allem durch vermehrte Vollerwerbsgründungen zustande, die sich um 87.000 auf 393.000 erhöhten. Während sich gleichzeitig die Anzahl der Nebenerwerbsgründungen um 40.000 auf 522.000 verringerte. Für 2015 wird hingegen allerorts wieder mit einer sinkenden Gründerzahl gerechnet. Und dies scheint sich nun auch tatsächlich zu bestätigen.

Trotz guter Arbeitsmarktsituation sinkt die Anzahl der Gründer in Deutschland, vor allem in Sachsen und Brandenburg wieder mal. Immer weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Schon seit 2010 ist die Anzahl der Gründer in Berlin und Brandenburg laut Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg rückläufig. 2013 waren noch 0,7% mehr Brandenburger selbstständig tätig als 2014. Und dieser Trend setzt sich auch 2015 fort. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen 2015 sogar einen deutlichen Rückgang der Gewerbeanmeldungen gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2014 meldeten noch 1,5% mehr Menschen ihr Gewerbe an als im vergangenen Jahr.
Auch in Sachsen suchen weniger Menschen ihr Glück in der wirtschaftlichen Selbstständigkeit. Nach Angaben des Sächsischen Existenzgründer-Netzwerks ist die Zahl der Gründer dort sogar seit 2007 rückläufig. 2014 ist die Zahl der Existenzgründungen verglichen mit 2013 um vier Prozent zurückgegangen. 2015 werde der Rückgang voraussichtlich noch größer sein.

Arbeitsmarkt bommt

Der Grund dafür scheint das gute Beschäftigungsangebot auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Erstmals gibt es in Deutschland wieder mehr als 39 Millionen Arbeitnehmer. Derzeit gehen mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit ein festes Beschäftigungsverhältnis ein als in den Vorjahren. Die Nachfrage nach Fachkräften ist hoch, dementsprechend verringerte sich die Anzahl der Gründer. Der Boom am Arbeitsmarkt geht vor allem auf das Dienstleistungsgewerbe zurück.

Problem Unternehmensnachfolge

Die Unternehmensnachfolge hat in Deutschland in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Immerhin ist der Mittelstand unser Wirtschaftsmotor. Immer mehr junge Menschen ziehen aber Beschäftigungsverhältnisse oder andere berufliche Möglichkeiten dem Familienbetrieb vor. Auch für die Politik ist deshalb die Unternehmensnachfolge ein wichtiges Thema geworden. Deutschlands Unternehmer altern immer mehr und hinterlassen bei Betriebsaufgabe zunehmend eine große Lücke im Mittelstand. Tatsächlich erfolgt nur jede zehnte Existenzgründung durch die Übernahme eines Unternehmens nach Erbfolge, Kauf oder Pacht. Das muss sich unbedingt ändern.

Gründerpotenzial Frauen und Migranten

Gegenwärtig besteht vor allem neues Gründungspotenzial insbesondere bei Frauen und Migranten. Denn laut der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg ist bisher noch immer der überwiegende Teil der Gründer männlich. Auch hier muss deshalb dringend umgedacht werden. Die Herausforderung ist groß. Frauen und Migranten brauchen künftig weit mehr Chancen und Vertrauen. Auch sie müssen Fehler machen dürfen, ohne immer nur als Bestätigung von Vorurteilen herhalten zu müssen. Auch eine verbesserte schulische Aus- und Weiterbildung für sie muss her. Eine explizite Gründungsausbildung innerhalb der Lehrpläne an Schulen wird immer wieder thematisiert, konnte sich aber bisher in der deutschen Bürokratie nicht durchsetzen.

Text: Dr. Horst Lange
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